Wahn versagen die Nerven

Handball-Verbandsligist TV Köln-Wahn unterlag in eigener Halle der HSG Niederpleis/Sankt Augustin mit 23:25 (10:8). 200 Zuschauer sahen eine ganz schwache Partie.

In einem Vier-Punkte-Spiel gegen den Rivalen aus guten alten Regionalligazeiten verpassten es die Gastgeber, sich mit einem Sieg etwas Luft im Kampf gegen den Abstieg zu verschaffen. Dabei hatten sie Mitte der zweiten Halbzeit bei einem Vier-Tore-Vorsprung alle Trümpfe in der Hand, um die Gäste auf Distanz zu halten.

Beiden Mannschaften merkte man ihre Anspannung an, denn die Angriffsaktionen verliefen alles andere als flüssig und die Großchancen wurde ziemlich kläglich vergeben. Die Wahner hätten sich in der Anfangsphase gut und gerne mit vier bis fünf Toren absetzen können, aber allein Tim Fuhrmann vergab drei Mal völlig freistehend. So kam es, dass bei beiden Teams nach 12 Spielminuten lediglich je zwei Treffer auf der Habenseite standen. Verbandsliga-Niveau sieht wohl eher etwas anders aus.

Doch die Gastgeber waren zunächst dann doch etwas konsequenter im Verwerten ihrer Möglichkeiten, und weil Torhüter Thomas Ehlert einiges gut zu fassen bekam, gingen sie nach einer Energieleistung von Michael Siebert in der 26. Minute zum ersten Mal verdientermaßen mit drei Toren in Führung. Zu diesem Zeitpunkt glaubte man nicht mehr so recht daran, dass es den Niederpleisern gelingen könnte, diese Begegnung noch erfolgreich zu gestalten. Sie hatten bei Spielbeginn ohnehin nur zwei Feldspieler auf der Auswechselbank und nach einer Verletzung von Enno Mühlenstedt (15. Min.) fast überhaupt keine Wechselalternative mehr.

Die Wahner vermochten diesen Umstand aber kaum für sich zu nutzen, obwohl Trainer Torsten Tietgen aus dem Vollen schöpfen konnte. Bis zum Pausenpfiff gelang es der HSG wieder auf zwei Tore zu verkürzen (10:8). Auch nach dem Wechsel merkte man den Gästen zunächst an, dass ihnen im Grunde genommen die Wechselmöglichkeiten fehlten. Wahn konnte sie auf Distanz halten und Mitte der zweiten Halbzeit sogar auf vier Tore davonziehen (17:13, 42. Min.). In einer normal verlaufenden Partie hätte es jetzt aufgrund des Kräfteverscheiß nach und nach zum Einbruch bei Niederpleis kommen müssen.

Aber genau das Gegenteil war der Fall. Bedingt durch Wahner Nachlässig- und Sorglosigkeiten, die den Gegner aufbauten, stieg dieser wie Phoenix aus der Asche empor. Immer wieder angetrieben von ihrem überragenden Routinier Jörn Kozel, der nicht nur glänzend Regie führte, sondern auch wichtige Treffer erzielte, drehten die Gäste die Begegnung. Aus dem 13:17-Rückstand machten sie bis zur 50. Minute eine 18:17-Führung. Die Wahner befanden sich, wie in dieser Saison schon so oft erlebt, wieder einmal völlig unerklärlich für etliche Minuten im kollektiven Tiefschlaf. Zwar gelang dem gut aufgelegten Thorsten Dolinski in der 52. Minute noch einmal der Ausgleich zum 19:19.

Aber das war es denn auch, denn fortan hatten die Gäste das Heft fest in der Hand, auch wenn sie in Minute 55 gleich drei Mal sehr leichtfertig die Chance auf eine vorzeitige Entscheidung vergaben. Doch nur wenig später war das Spiel beim Stand von 20:25 dann doch entschieden. Dass der TV Wahn in der letzten Spielminute noch einmal eine Resultatsverbesserung erreichen konnte (23:25), war lediglich Kosmetikkorrektur. Die Niederpleiser habe verdient gewonnen und ein schon verloren geglaubtes Spiel aus dem Feuer gerissen.

Beide Mannschaften haben gezeigt, dass sie in der Tabelle nicht von ungefähr da stehen, wo sie stehen, nämlich ziemlich weit unten. Die Angriffseffektivität hüben wie drüben war eher zum Erbarmen, wobei die Gäste im zweiten Durchgang mit ihrer Ausbeute noch eher zufrieden sein konnten. Symptomatisch für die Wahner Pleite waren zwei verworfene Siebenmeter wegen technischer Fehler bei der Ausführung. Nach dem Schlusspfiff an diesem Valentinstag hatten nur die Niederpleiser Fans ihre Mannschaft lieb.

Karl Blank

Torfolge: 2:2 (6.), 3:3 (15.), 5:6 (20.), 9:6 (26.), 10:8 (30.) – Halbzeit – 13:10 (35.), 15:11 (38.), 17:13 (42.), 17:18 (50.), 20:24 (58.), 23:25 (60.).

TV Wahn: Thomas Ehlert (TW), Markus Zimmermann (TW), Marcel Mikolai (TW), Alexander Busche, Christopher Busche (1/1), Florian Butscheid, Thorsten Dolinski (5), Daniel Esser (4), Markus Filp (2), Tim Fuhrmann (3), Benjamin Jäger, Florian Lenzen, Jürgen Proske (2/1), Michael Siebert (5), Mesut Sümercan (1).

Bilder vom Spiel von Thomas Schmidt