Wahn I: Starke Reaktion nach der Pause

Es war eine neue Erfahrung, die die Landesliga-Handballer des TV „Jahn“ Köln-Wahn in ihrem Auswärtsspiel beim TV Bergneustadt machen mussten. Das Team von Trainer Stefan Filip lag nach zerfahrener erster Halbzeit mit 13:16 zurück. Eine deutliche Leistungssteigerung im zweiten Durchgang verhinderte jedoch die drohende erste Niederlage. Der „Jahn“ gewann am Ende deutlich mit 32:24 und verteidigte mit dem neunten Sieg im neunten Spiel die Tabellenführung vor dem TuS 82 Opladen.

Stefan Filips mahnende Worte in der Abschlussbesprechung, auch bei einem engen Spielverlauf die Ruhe zu bewahren, waren offenbar auf taube Ohren gestoßen. Denn trotz einer 10:7-Führung (19.) agierten die Blau-Weißen in der ersten Halbzeit viel zu überhastet. „Ich hatte den Eindruck, dass meine Mannschaft viel zu viel auf einmal wollte. Doch das war überhaupt nicht nötig“, suchte Filip nach einer Erklärung für den ungewohnt fehlerhaften Start des Spitzenreiters, der im Umschalten zahlreiche Bälle verlor und oftmals unvorbereitet abschloss. In der Abwehr agierten die Gäste zu passiv, weshalb auch Torwart Gerrit Kolbe lange Zeit brauchte, um ins Spiel zu kommen.

Bergneustadt wiederum überzeugte mit aggressiver Abwehrarbeit, die teilweise aber auch zu ungestüm war und eine frühe Rote Karte (23.) nach sich zog. Dennoch lagen die Oberberger beim 12:11 erstmals in Front. Die über 100 Zuschauer in der Sporthalle Auf dem Bursten waren entzückt und durften wenig später auch noch Holger Magdzacks Treffer zur 16:13-Pausenführung bejubeln. Der Tabellenführer wankte, und auf der Tribüne gingen die Diskussionen los, wie die Reaktion der Kölner wohl aussehen würde.

Stefan Filips Halbzeitansprache tat dem Nervenkostüm seines Teams offenbar richtig gut. Der „Jahn“ antwortete sehr zur Freude seiner mitgereisten Anhänger im Stile einer echten Spitzenmannschaft. Die 6:0-Abwehr und Torwart Kolbe (Foto) fanden pünktlich mit Wiederanpfiff zu gewohnter Stabilität zurück. Bergneustadt musste dem hohen Tempo aus Durchgang eins Tribut zollen, brach konditionell völlig ein und kassierte einige Tempogegenstöße. Zwischen der 31. und 47. Minute erzielte der TVB lediglich zwei Treffer. Wahn drehte nun kräftig auf und wendete die Partie mit einem 11:2-Lauf in eine beruhigende 24:18-Führung. „In der zweiten Halbzeit haben wir das gespielt, was uns in den Partien zuvor so stark gemacht hat“, war Filip versöhnlich gestimmt.

Maßgeblichen Anteil daran hatten die starke linke Angriffsseite um Michael Siebert und Jens Voskuhl sowie Mittelmann Simon Welter, der sich in der zweiten Halbzeit immer wieder durch die Bergneustädter Deckung kämpfte. Tim Schmitz erwies sich an alter Wirkungsstätte als sicherer Siebenmeterschütze und verwandelte sieben seiner acht Versuche. Während beim TVB auch nach der Einwechslung von Spielertrainer Ralph Weinheimer kaum noch etwas zusammenlief, gelang den Wahnern so gut wie alles. Michael Siebert traf mit einem unfassbaren Dreher quasi von der Torauslinie zum 21:27, ehe er Sekunden vor Schluss nach Vorlage von Tim Schmitz per Kempa-Trick den Endstand herstellte.

Tim Schmitz (9/7), Simon Welter (6), Michael Siebert (5), Jens Voskuhl (4), Jörn Klinnert (3/1), Christian Simon (2), Malte Baumann (1), Christian Gerwe (1) und Florian Butscheid (1) distanzierten mit ihren Treffern einen weiteren Konkurrenten im Kampf um die Spitzenplätze.

Tobias Carspecken

Weitere Spielbilder von Thomas Schmidt: http://www.flickr.com/photos/df8kk/sets/72157631984468801/