Verbandsliga: Spektakuläre Aufholjagd nach Neun-Tore-Rückstand

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Die Handballer des TV „Jahn“ Köln-Wahn haben sich in ihrem ersten Verbandsliga-Heimspiel von zwei völlig unterschiedlichen Seiten präsentiert. Nach alptraumhafter erster Halbzeit und einem zwischenzeitlichen Neun-Tore-Rückstand setzte die Mannschaft von Trainer Thomas Radermacher zu einer spektakulären Aufholjagd an, die in einem 29:29 (12:19)-Unentschieden gegen die TSV Bonn rrh. II mündete. Es war die bereits zweite Punkteteilung für die Blau-Weißen nach dem 24:24 zum Auftakt beim TV Palmersheim.

Dieses Mal fühlte sich der Punkt sogar fast wie ein Sieg an, nachdem der Wahner Heimeinstand zunächst in einer kräftigen Abreibung zu enden drohte. Die Hausherren fanden in der Defensive überhaupt keinen Zugriff und auch im Angriff nicht ansatzweise zu ihrem Spiel. Selbst als Radermacher nach dem frühen 0:5 (5.) einen Vielfachwechsel vornahm, wurde es nicht besser. Beim 9:18 (26.) stand gegen stark beginnende Beueler ein Debakel bevor. Wahns Trainer nahm seine Spieler jedoch in Schutz: „Unsere sehr junge Mannschaft durchläuft einen Entwicklungsprozess. Eine Halbzeit wie diese kann auf diesem Weg mal passieren, auch wenn sie natürlich sehr schmerzhaft war.“

Umso bemerkenswerter war es, wie die Blau-Weißen all die Negativerlebnisse des ersten Durchgangs gedanklich in der Kabine ließen und mit einem schnellen 5:1-Lauf (17:20/37.) neuen Mut schöpften. Selbst als die Wahner Aufholjagd durch einen umgekehrten Lauf zum 18:25 (46.) einen eigentlich vorentscheidenden Dämpfer erlitten hatte, steckten die Hausherren nicht auf. Die Umstellung in der Deckung von einer defensiven 6:0- auf eine offensive 4:2-Formation leitete schließlich die kaum noch für möglich gehaltene Wende ein. Die TSV führte fünf Minuten vor Schluss zwar noch immer komfortabel mit 29:24, kam gegen früh störende Wahner fortan aber komplett aus dem Tritt.

Schnelle Balleroberungen brachten das Radermacher-Team binnen 180 Sekunden durch einen Dreierpack von Dario Giacobbe (4) sowie einen Gewaltwurf des insgesamt neun Mal erfolgreichen Marc Rastuttis bis auf 28:29 heran. Der Sensationspunkt war nun zum Greifen nah – und mit der lautstarken Unterstützung der rund 100 Zuschauer in der Wahner Großsporthalle gelang drei Sekunden vor der Sirene tatsächlich noch der vielumjubelte Ausgleich durch Marco Alesius, der als Rechtshänder von der ungewohnten Rechtsaußenposition drei Bälle einnetzte. Außerdem trafen Jan Lange (8/3), Michael Siebert, Benjamin Jäger (je 2) und Robin Rastuttis (1).

„Ich bin sehr stolz auf die Moral, den Teamgeist und den Kampfeswillen meiner Mannschaft. Sie gibt nie auf und haut sich immer bis zum Schluss rein“, sagte Trainer Thomas Radermacher. „Dennoch haben wir noch sehr viel Arbeit vor uns. Das Spiel muss gründlich aufgearbeitet werden.“ Die Blau-Weißen haben nun zwei Wochen Zeit, um sich auf ihre nächste Aufgabe einzustellen. Durch den Rückzug des TV Rheinbach II ist für sie am ersten Oktober-Wochenende spielfrei.

Über zwei nicht unbedingt eingeplante Zähler konnte sich der TV „Jahn“ Köln-Wahn derweil in der 1. Kreisklasse Köln/Rheinberg freuen. Das Team von Trainer Jörg Nelius verbesserte sich durch einen 29:25 (14:8)-Heimsieg über den TuS Königsdorf II auf den vierten Tabellenplatz. „Wir haben eine starke Abwehr gestellt und im Angriff unsere Chancen geduldig herausgespielt und dann konsequent genutzt. Die neu formierte Mannschaft findet sich immer besser, es entwickelt sich allmählich ein Rhythmus“, freute sich Nelius.

Die Wahner hatten zwar nervös begonnen (1:4/8.), das Geschehen danach aber im Griff und sich über 6:5 (14.) und 12:8 (26.) frühzeitig auf ein sehr deutliches 20:10 (42.) abgesetzt. Die Tore zum dritten Sieg im fünften Saisonspiel erzielten Alexander Raquet (10/6), Luis-Enrique Dohmen (5), Tim Glet (4), Yannick Tiede, Luke Sterzenbach (je 3), Jonas Frechen, Nils Konz, Malte Hantsch und Gordon Rastuttis (je 1). Das nächste Heimspiel steht bereits am kommenden Samstag, 3. Oktober (16.30 Uhr), gegen den SC Janus an.

Foto: Frank Nürnberger