Freudesschrei im Oberberg

Wenn Wahner auf Busreisen gehen, ist gute Stimmung an Bord garantiert – im Gegensatz zu Meisterschaftspunkten, ohne die man im bisherigen Saisonverlauf zumeist die Heimreise antreten musste. Doch an diesem frühlingshaften Februar-Samstag sollte alles anders kommen.

Die Voraussetzungen für das Auswärtsspiel in Bergneustadt hätten nicht besser sein können. Das Karnevals-Wochenende wurde vom „Flughafen-Team“ zu Teambuilding-Maßnahmen am Rande des Wahner Zochs genutzt. Eine Maßnahme, die das Schlusslicht in sportlich schweren Zeiten noch mehr zusammenschweißen sollte und seine Wirkung – so viel kann man nach dem Gastspiel im Oberbergischen bereits sagen – nicht verfehlen sollte.

Glücklicherweise hatte auch in diesem Jahr jeder Wahner Spieler seine eigenen Grenzen beim Feiern erkannt, so dass einer unbeschwerten Trainingswoche zur Vorbereitung auf das Spiel in Bergneustadt nichts mehr im Wege stand. Trainer Ivan Majstorovic konnte bis auf Gordon Rastuttis und Tom Kulik auf alle Spieler zurückgreifen. Besonderer Luxus: Mit Thomas Wieland, Thomas Ehlert, Markus „Zimbo“ Zimmermann sowie den beiden Nachwuchskeepern aus der eigenen Reserve standen unserem Coach reichlich Torhüter zur Verfügung.

Als die Mannschaft wenige Tage vor der Fahrt ins Oberbergische dann auch noch erfuhr, dass sie einmal mehr in einem modernen Reisebus mit gemütlichen Sitz- und Liegemöglichkeiten – letzteres wurde durch installierte (Hobel)Bänke garantiert – anreisen würde, war das erfolgreiche Spielwochenende eigentlich garantiert.

Diese verheißungsvolle These erhielt dadurch Nahrung, dass (überspitzt gesagt) die größte Wahner Herausforderung an diesem Samstag die Einfahrt des Mannschaftsbusses durch das schmale Schultor an der Bergneustädter Sporthalle war – mit der Folge, dass das schicke Gefährt doch tatsächlich einen tiefen Kratzer abbekam. Als Mannschaft und Fans dann aus dem Bus stiegen, erblickte man tatsächlich Schnee, den man in diesem Jahr noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Glücklicherweise bewies die Wahner Mannschaft echte Standhaftigkeit und rutschte an diesem Tag nicht aus – weder vor der Halle, noch auf dem Spielfeld beim sportlichen Schlagabtausch.

Der perfekte Samstag fand schließlich in der Umkleidekabine seine Fortsetzung: Jeder Spieler hatte – wie selbstverständlich – an das rote Auswärtstrikot einschließlich weißer Hose gedacht. Auch Thomas Ehlert bewies einen feinen Riecher und schmiss sich frohen Mutes in seine frisch gewaschenen Torwartklamotten. Ein Mann mit Vorbildfunktion!

Anschließend wurde dann auch noch gespielt, dieses Mal mit außerordentlichem Erfolg unseres Teams. Nur zweimal ließ man eine Führung des Gegners zu (8:9 und 10:11), hatte zuvor und danach aber das Spiel recht sicher im Griff. Im Tor wusste Thomas Wieland zu überzeugen und wurde dafür vollkommen zu recht mit lautstarken „Willi“-Rufen der mitgereisten Fans bedacht. A propos Fans: Die feierten nicht nur einen gelungenen Auftritt des Wahner Teams, sondern auch die bloße Anwesenheit des grippekranken Christopher Busche, der es sich auf der Tribüne gemütlich gemacht hatte und dafür vollkommen zu Recht mit „Schiwuetti“-Rufen gefeiert wurde. Großer Sport in der Burstenhalle. Zurück zum Spiel: In der Abwehr stachen Michael Siebert und Florian Butscheid durch hervorragendes Defensivverhalten hervor, und im Angriff zog Tim Fuhrmann geschickt die Fäden – und war dazu auch noch bester Wahner Torschütze. Tim war insgesamt elf Mal erfolgreich, davon gleich vier Mal vom Siebenmeterpunkt, was deshalb erwähnenswert ist, weil unsere Mannschaft im Hinspiel sechs Strafwürfe verworfen und den Sieg verschenkt hatte.

Schon frühzeitig kam im Wahner Fanlager der Gedanke an die Möglichkeit eines Sieges auf. Als Tim Fuhrmann mit der Halbzeitsirene per Siebenmeter auf 15:12 erhöhte, nahm der Sieg langsam Form an. Nach der Pause führte unser Team zeitweise mit bis zu drei Treffern. Richtig brenzlig wurde es nur, als Bergneustadt in der 50. Minute auf 25:26 verkürzte, die einheimischen Anhänger unter den rund 150 Zuschauern Morgenluft schnupperten und sich unsere Mannschaft ziemlich ungeschickt dabei anstellte, eine Entscheidung herbeizuführen. Diese gelang dann schließlich doch noch Max Huckauf, der auf 29:27 erhöhte und damit den lang ersehnten zweiten Saisonsieg unter Dach und Fach brachte. Anschließend feierten Mannschaft und Fans vollkommen zu Recht mit La Ola und Humba zwei schöne Punkte, die vor allem für die Stimmung im Team sehr gut sein dürften.

Einziger Wermustropfen an diesem Abend: Florian Lenzen brach sich nach nur wenigen Minuten bei einer unglücklichen Abwehraktion das Nasenbein. Die Ärzte konnten jedoch schon Entwarnung geben. Weil für sie in Zeiten des rasanten medizinischen Fortschrittes ein Nasenbeinbruch kein Beinbruch mehr ist, steht das Geburtstagskind von Sonntag wohl schon bald wieder zur Verfügung.

Für den TV Wahn spielten und trafen: Thomas Wieland, Thomas Ehlert, Markus Zimmermann; Tim Fuhrmann (11/4), Sasa Vukoje (4), Max Huckauf (4), Florian Butscheid(3), Michael Siebert (3), Markus Filp (2), Benjamin Jäger (1), Tilo Kühn und Florian Lenzen.

Tobias Carspecken

Fotos vom Spiel von Thomas Schmidt:

http://www.flickr.com/photos/df8kk/sets/72157603887422125/