Das ewig junge Derby

Am Sonntag (16.30 Uhr) gastieren die Oberliga-Handballer des TV Köln-Wahn beim TV Forsbach. Ein Vorbericht zum Spiel.

Nach dem 19. Spieltag kommt der 20. Irgendwas Besonderes?

Aber hallo! Es ist Derby-Zeit! Forsbach gegen Wahn! Königsforst gegen Wahner Heide! Alexander gegen Christopher Busche! Duelle beider Vereine waren schon zu früheren Regionalliga-Zeiten immer heiß umkämpft. Am Sonntag ist es endlich wieder so weit.

Da scheint ja ziemlich viel Brisanz im Spiel zu sein. Liegen beide Mannschaften denn gleich auf?

Tabellarisch gesehen: nein. Forsbach belegt mit 24:14 Punkten den fünften Tabellenplatz, während sich Wahn als Schlusslicht mit der etwas unausgeglichenen Punktebilanz von 4:34 Zählern nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt machen kann. Für den TV Wahn dürfte dieses Lokalderby also eine Station auf seiner Abschiedstournee aus der Oberliga sein.

Sind die Wahner am Sonntag denn vollkommen chancenlos?

Nein, denn das waren sie auch bei der 24:30-Niederlage im Hinspiel schon nicht. Damals hielt die Mannschaft lange Zeit gut mit, musste sich am Ende aber trotzdem recht deutlich geschlagen geben. Damals stand das Spiel aber auch unter anderen Voraussetzungen.

Heißt das, dass die Voraussetzungen am Sonntag anders sind?

Ja, heißt es. Forsbach, so war aus diversen Zeitungen zu hören, kam in letzter Zeit nicht wirklich zur Ruhe. Es wurde bekannt, dass Norbert Bothe, der Forsbacher Trainer, zum Saisonende den Halfenhof verlassen und in die Oberliga Niederrhein zur Turngemeinde Hilgen wechseln würde.

Das alleine ist aber doch kein Grund zur Panik!

Stimmt. Allerdings hat die ganze Geschichte noch einen Haken: Hilgen befindet sich momentan in ziemlicher Abstiegsgefahr. Und weil Norbert Bothe in der kommenden Saion zumindest einen Oberligisten trainieren möchte, hat man Rainer Hantusch, einen Toptorschützen aus der Oberliga Mittelrhein, schon mal nach Hilgen vorgeschickt.

Damit fehlt Forsbach aber ein wichtiger Mann. Ist er in Hilgen so etwas wie eine Nichtabstiegsversicherung?

So wirkt es zumindest. Der Plan scheint ja bislang auch recht gut zu funktionieren, schließlich hat Hantusch am vergangenen Wochenende ziemlich oft getroffen – und Hilgen einen wichtigen Sieg im Kampf gegen den Abstieg beschert.

Jetzt aber zurück vom Nieder- an den Mittelrhein!

Moment, so schnell geht das auch wieder nicht. Uwe Schneevogt, der in Forsbach Stammtorwart war, hat in der vergangenen Woche schließlich auch seinen sofortigen Abschied vom Halfenhof bekannt gegeben. Er spielt jetzt – Achtung! – in Hilgen. Vor Hantusch und Schneevogt war Stefan Eikelmann bereits als Abgang vermeldet worden. Eikelmann zog es zwar nicht nach Hilgen, dafür aber in die belgische Ehrendivision nach Eynatten.

Und wie verkraftet Forsbach die ganzen Abgänge?

Am vergangenen Sonntag hat die Mannschaft zu Hause gegen den Abstiegskandidaten Bergneustadt verloren, gegen den die Wahner in der Vorwoche gewonnen hatten. Das heißt für das Lokalderby am Sonntag aber nichts, da werden die Karten neu gemischt.

Was sagen eigentlich die Wahner zur Lage am Halfenhof?

Abteilungsleiter Bernd Liberka sagt: „Was in Forsbach passiert, interessiert uns nicht.“ Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass Forsbach gerade gegen uns alles geben wird.“ Das war ja auch in der Vergangenheit immer so.

Sieht also so aus, als ob am Sonntag mit einem spannenden und offenen Match zu rechnen ist. Können die Wahner denn zumindest personell etwas aufatmen?

Von aufatmen kann man wohl nicht sprechen. Gordon Rastuttis wird in dieser Saison nicht mehr spielen können, er hat Knieprobleme. Benjamin Sprengel steht ja ohnehin seit längerem schon nicht zur Verfügung. Florian Lenzen brach sich in Bergneustadt die Nase. Von auf- beziehungsweisee durchatmen kann man gerade bei ihm – im warsten Sinne des Wortes – nicht sprechen! Seine Nase, die nach dem Bergneustadt-Spiel eher dem „Schiefen Turm von Pisa“ als einer schönen Nase glich, wurde am Montag glücklicherweise aber wieder in den ursprünglich schönen Zustand versetzt. Wahns Frauenschwarm rechnet also damit, schon bald wieder spielen zu können, Sonntag käme aber zu früh, auch wenn das dem Florian innerlich ziemlich weh tut.

Gibt´s personell auch was zum Aufatmen?

Tom Kulik ist nach seinem Nasenbeinbruch, den er sich Mitte Januar zugezogen hatte, wieder zurück und wird Sonntag spielen können. Damit steht Wahn eine dringend benötigte Alternative für den Rückraum zur Verfügung.

Also doch etwas aufatmen?

Also doch etwas aufatmen.

Tobias Carspecken