Bittere Niederlage in der Schlusssekunde

Weil eine Niederlage in buchstäblich letzter Sekunde besonders schmerzt, war die Enttäuschung bei den Landesliga-Handballern des TV „Jahn“ Köln-Wahn am Samstagabend ziemlich groß. Im Spitzenspiel des 7. Spieltags unterlag die Mannschaft von Trainer Torsten Tietgen beim TV Strombach denkbar knapp mit 21:22 (10:10) und verpasste somit, sich ganz oben in der Tabelle festzusetzen. „Durch zu viele technische Fehler und Passfehler in Verbindung mit einer zu geringen Trefferquote konnten wir das Spiel leider nicht für uns entscheiden“, trauerte Tietgen mindestens einem, eigentlich sogar zwei verschenkten Punkten hinterher.

Dabei hatte alles so gut begonnen für die Jungs vom Flughafen: In der Deckung knüpften die Porzer zunächst dort an, wo sie beim klaren Sieg über Bocklemünd aufgehört hatten. Über 4:3 (10.) und 6:4 (12.) setzte sich Wahn bis zur 25. Minute auf 9:6 ab. Strombach tat sich vor allem in der Offensive sehr schwer und leistete sich viele kleine Fehler.

Hätte seine Mannschaft diesen Vorteil deutlicher für sich ausnutzen können, wäre Torsten Tietgen mit dem ersten Durchgang vermutlich sehr zufrieden gewesen. Doch leider kam es anders. Plötzlich fehlte dem Wahner Angriffsspiel der nötige Druck, so dass die Rechtsrheinischen überraschend oft mit Zeitspiel zu kämpfen hatten. Strombach nutzte diese Schwächephase konsequent aus und zog bis zur Pausensirene zum 10:10 gleich – eine aus Gästesicht vollkommen unnötige Geschichte, da man die Partie lange Zeit ganz gut im Griff hatte.

Auch nach dem Seitenwechsel kam keine Besserung ins Offensivspiel beider Teams. So entwickelte sich eine extrem ausgeglichene Partie, in der die Führung ständig wechselte und sich keine Mannschaft entscheidend absetzen konnte. Chancen wären auf beiden Seiten ausreichend vorhanden gewesen, doch zu oft standen Pfosten, Latte, Torhüter oder technische Unzulänglichkeiten im Weg. Die Folge: Das Spitzenspiel blieb spielerisch hinter seinen Erwartungen zurück; dafür bekamen die Zuschauer zwei beherzt zupackende Abwehrbollwerke zu bestaunen, an denen sich die gegnerischen Teams jeweils die Zähne ausbissen.

Als Strombach eine Minute vor Schluss zum 21:19 vorlegte, schien die Partie entschieden. Es passte allerdings zu diesem Spiel, dass die Oberberger auch diese vermeintlich komfortable Ausgangssituation nicht für sich ausnutzen konnten. Erst gelang Wahn der Anschluss und sechs Sekunden vor Schluss in Person von Markus Filp sogar der Ausgleich.

Danach wurde es dramatisch: Dominik Heimes unterband den Strombacher Gegenstoß mit einem taktisch klugen Foul, für das es zurecht die Rote Karte mit Bericht gab. Leider konnte ein Wahner Auswechselspieler in dieser Situation seinen Mund nicht halten – es gab eine dumme Zwei-Minuten-Strafe, so dass die Porzer die restlichen Sekunden in Unterzahl agieren mussten. Fabian Hamacher nutzte den numerischen Vorteil aus und traf quasi mit dem Schlusspfiff zum Strombacher Sieg. Ein Unentschieden wäre wohl das gerechte Ergebnis gewesen, doch wer sich in entscheidenden Situationen nicht clever genug anstellt, darf sich am Ende auch nicht beschweren, mit leeren Händen nach Hause reisen zu müssen.

Das nächste Meisterschaftsspiel steht erst am 27. November (19.30 Uhr) daheim gegen den bislang noch ungeschlagenen Tabellenzweiten TV Bergneustadt an. Zeit genug also, um an den offenbarten Schwächen zu arbeiten. Gelingt in diesem Spiel ein Sieg, sind die Porzer wieder ganz oben mit dabei – eine Aussicht, die für zusätzliche Motivation sorgen und das schmerzhafte Erlebnis von Strombach schnell aus den Köpfen der Wahner Spieler vertreiben sollte.

Für den TV „Jahn“ Köln-Wahn verkürzten: Christopher Busche (5/3), Michael Siebert (4), Dominik Heimes (3), Simon Blendl (3), Tim Fuhrmann (2), Tom Kulik (2), Markus Filp (1) und Neuzugang Andreas Glüer (1).

Tobias Carspecken